Mit „bundestag“ getaggte auf Webdesign und Usability:

Das Perl-Blog beschäftigte sich in dieser Woche intensiv mit der neuen Online-Petitionen-Webseite des Deutschen Bundestages. Ziel dieser Seite ist eine Übersicht über öffentliche Petitionen, das Mitzeichnen und Einreichen solcher und die Diskussion über diese Petitionen. Die Seite weist neben technischen Mängeln und mangelhafter Barrierefreiheit auch Usability-Probleme auf.

Seit gestern gibt es für Nutzer die Möglichkeit, in einer kleinen Befragung ihre Meinung über die Online-Petitions-Webseite mitzuteilen.

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Online-Befragungen sind eine einfache und kostengünstige Methode, die Meinung der Benutzer zu einem Produkt zu erfahren. Allerdings: solche Befragungen werden oft viel zu spät durchgeführt, nämlich dann, wenn ein Produkt bereits (nahezu) fertig ist. Das Problem: nachträgliche Änderungen kosten Geld, die Bereitschaft, Änderungen wirklich durchzuführen, ist bei einem fertigen Produkt in der Regel nicht sehr hoch. Zudem wird bei Online-Befragungen häufig nicht sehr methodisch vorgegangen, die Fragen sind oft nicht zielgerichtet genug.
 

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Eine solche Frage ist nicht besonders hilfreich. Was, wenn ein großer Prozentsatz derjenigen, die an dieser Umfrage teilnehmen, die Nutzerfreundlichkeit als mangelhaft oder schlecht bewertet? Werden dann - endlich - "echte" Nutzertests durchgeführt? Das wäre zwar gut, aber kostenintensiv.

Ein vermeidbares Problem, nicht nur bei Webseiten der öffentlichen Verwaltung. Werden die Nutzer frühzeitig in die Entwicklung einbezogen, können zielgerichtete Methoden verwendet werden, die helfen, Usability-Probleme zu entdecken, bevor sie das Endprodukt beeinflussen. So vermeidet man teure Nachbesserungen an einem fertigen Produkt, vermindert Supportkosten und - das ist bei einer Webseite der öffentlichen Verwaltung nun wieder wichtig - hinterlässt beim Benutzer ein gutes Gefühl. Usability-Experten beraten bei der Auswahl der jeweils besten Methode, die Benutzungsfreundlichkeit zu überprüfen.

Usability-optimierte Produkte, auch Webseiten, sind leicht bedienbar; und im Idealfall macht es Freude, sie zu bedienen, häufig auch unbewusst. Alles, was nicht behindert, sondern unterstützt, ist sinnvoll. Wer sich das vor Augen hält, vermeidet spätere kosmetische Operationen an etwas, das man bereits von Beginn an benutzungsfreundlich gestalten hätte können.

Kleines Update: Der Bundesadler funktioniert inzwischen wieder. Auf die Frage, wo der Bundeskanzler wohnt, gibt es nun diese Antwort:

Antwort:
Schön, dass Sie sich für den Bundeskanzler interessieren. Was Sie noch interessieren könnte: Laut Grundgesetz kann der Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum des Bundestages gestürzt werden.

Ominös, oder? :)

 

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Benutzungsfreundlichkeit spielt in der Oberflächengestaltung für die öffentliche Verwaltung eine besondere Rolle. Das "Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen" verlangt Barrierefreiheit in vielen Bereichen:

Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. (Quelle)

Ohne besondere Erschwernis nutzbar. Trifft das zu? Wir starten eine neue Serie zu Webdesign und Usability in der öffentlichen Verwaltung und beginnen mit dem Deutschen Bundestag, dessen Webauftritt wir in der nächsten Zeit etwas näher betrachten wollen.

Zum Auftakt aber erst mal ein kleiner Lacher :)

http://www.bundestag.de/ nutzt einen Avatar (darüber findet sich auch etwas in diesem Artikel). Hier wird der Bundesadler als "virtueller Berater" genutzt:
 

virtueller_berater.jpg


Der freundliche Vogel fragt: "Was darf ich Ihnen zum Thema Bundestag erzählen?" Diesem verlockenden Angebot konnte ich natürlich nicht widerstehen und fragte ihn nach Klick auf die Frage:
 

wo_wohnt_der_bundeskanzler_frage.jpg


"Wo wohnt der Bundeskanzler?"
Jetzt hätte der virtuelle Berater ja eine Menge Möglichkeiten gehabt. Er hätte mir beispielsweise sagen können, dass wir gar keinen Bundeskanzler, sondern eine BundeskanzlerIN haben. Oder, dass Frau Merkel nicht im Kanzleramt wohnt, sondern in einer Wohnung in Berlin. Oder sogar, dass mich das nichts angeht, was weiß denn ich. Stattdessen:

wo_wohnt_der_bundeskanzler.jpg


Wie, "The IQ Agent is currently offline"? Handelt es sich hier gar nicht um den Bundesadler, sondern um das Wappentier der USA? Was auch immer, er funktioniert nicht. Schade. Aber dass englische Antworten nicht gerade nutzerfreundlich sind, das steht jedenfalls fest. Mehr dann in Teil 2.

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