Mit „portal“ getaggte auf Webdesign und Usability:

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Lieschen Müller ist es wahrscheinlich egal, dass Ärzte bewerten im Internet jetzt total in ist. Sie wird weiterhin ihre Nachbarin fragen, wenn die Hühneraugen drücken. Und so machen es in der altmodischen Welt ohne Web immer noch die meisten: Sie vertrauen auf die Empfehlungen ihrer Mitmenschen, wenn sie einen Arzt suchen.

Einen Arzt suchen kann man natürlich auch im Internet, schließlich verfügen immer mehr fortschrittliche Ärzte heutzutage über eine eigene Webseite. Aber, so der berechtigte Einwand, woher weiß ich denn, ob Dr. Müller auch wirklich so ein guter Zahnarzt ist, wie er behauptet? Dafür gibt es einige, sehr Web-zwei-nullige Lösungen; Portale nämlich, auf denen man seinen Arzt bewerten kann. Und weil das alleine manchen noch zu wenig ist, wird mit ein paar Funktionen mehr meist auch gleich eine Online-Community draus.

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Solche Ideen funktionieren, das ist die Crux am Web 2.0, nur dann, wenn genügend Leute mitmachen. Daran hapert es jedoch bei den Arztbewertungs-Portalen noch. Auch wenn, wie beispielsweise bei Imedo.de, schon mit Zahlen aufgewartet werden kann:

Studie belegt: Gesundheitsportal www.imedo.de verfügt über die meisten Ärzteempfehlungen
Eine aktuelle Studie des Lehrstuhls für Gesundheitsmanagement der
Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Arzt-Bewertung im Internet“ hat ergeben: Etwa jeder fünfte niedergelassene Arzt ist bereits auf www.imedo.de empfohlen worden. Der unabhängigen Untersuchung zufolge finden Patienten somit auf imedo die meisten empfohlenen Ärzte.
(...) (Quelle)

Knapp 20 Prozent also. Das klingt erst einmal gut, heißt aber auch, dass um die 80 Prozent noch nicht bewertet sind. Das sind dann leider immer die, von denen man jetzt gerne wüsste, ob man sie aufsuchen sollte...

Ich habe einige Bewertungsportale getestet, und zwar anhand einer Arztsuche, die eine große Bevölkerungsgruppe beschäftigt: der Suche nach Kinderärzten. Die meisten Eltern sind bei der Suche nach einem Arzt für den Nachwuchs auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen, und sie prüfen Kinderärzte in der Regel auch sehr genau.

Gesucht habe ich in Stuttgart, geprüft habe ich die Portale Imedo, Ärzte bewerten, DocInsider, Mein guter Arzt, Jameda, Helpster und Medführer.  Wie viele Kinderärzte in Stuttgart sind erfasst (und NUR in Stuttgart, denn Umkreissuchen wie bei DocInsider sind vielleicht schön für die Statistik, aber nicht immer für den Nutzer), wie viele Bewertungen gibt es? Und weil das Ergebnis nicht nur spannend, sondern auch ziemlich umfangreich ist, habe ich den Artikel aufgeteilt. Teil 1 beschäftigt sich mit der Anzahl der Bewertungen.

Die Arzt-Bewertungen

 Portal  Anzahl eingetragener Ärzte Anzahl bewerteter Ärzte
 Imedo 55 15
 Ärzte bewerten 15 1
 DocInsider 81 4
 Mein guter Arzt 36 1
 Jameda 33 0
 Medführer 45 24
 Helpster 46 0

 (Stand: 11.7.08)

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In den gelben Seiten sind 48 Kinderärzte in Stuttgart aufgeführt. Medführer und Helpster sind also am dichtesten dran. Den besten Schnitt in Bezug auf Bewertungen, verglichen mit der Anzahl eingetragener Ärzte, bietet Medführer. Wie erklären sich aber Eintragungen, deren Anzahl die der Gelben Seiten derart übersteigt wie beispielsweise bei DocInsider? Ganz einfach: DocInsider erfasst z. B. auch Kinderpsychologen, sofern Kinderheilkunde zusätzlich als Fachgebiet angegeben wurde. Außerdem erscheinen hier auch Kinderärzte, die keinen Eintrag in den Gelben Seiten haben. Imedo erfasst Ärzte, die gemeinschaftlich praktizieren, getrennt. Die Portale benötigen für den Aufbau der Arztdatenbanken die Mitwirkung der Nutzer, daher bieten alle die Möglichkeit, weitere Ärzte einzutragen.

Die sehr unterschiedliche Anzahl gefundener Ärzte in den Datenbanken dieser Portale zeigt aber auch, dass sie sich nicht besonders gut eignen, um einen tatsächlichen Überblick über die Anzahl der in der Stadt ansässigen Ärzte zu bekommen. Zudem lässt sich die Aktualität so gut wie nicht überprüfen, da nicht angegeben wird, wann ein Eintrag angelegt wurde. Dennoch dürfen auch die Gelben Seiten allein nicht als Grundlage für den Datenbestand dienen, denn auch sie sind schnell veraltet. Bei einer Stichprobe mit einer Ärztin, die offenbar seit ihrem letzten Eintrag in den Gelben Seiten geheiratet hatte, stellte sich heraus, dass zwei Portale sie gar nicht mit aufgenommen hatten, mehrere noch den alten Namen verwendeten und eines nicht berücksichtigte, dass sie jetzt eine Gemeinschaftspraxis hatte. Woher die Daten also kommen, bleibt dennoch relativ offen. Imedo erklärt immerhin:

Wir beziehen unsere Adresse von einer Datenbank, die Ihre Adressdaten u.a. von den Ärztekammern bezieht.

Während dieser Recherche konnte ich die Suchfunktion, also das Herzstück aller Portale, die sich mit der Arztbewertung beschäftigen, ausführlich testen. Dazu dann mehr in Teil 2.


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