Mit „suchfunktion“ getaggte auf Webdesign und Usability:

Im Spiegel sah ich heute eine halbseitige Anzeige der Bundesagentur für Arbeit mit dem Tenor, ihre Jobbörse sei "endlich benutzerfreundlich". Was ungefähr soviel heißt wie, dass sie es früher nicht war. Das mag sein. Aber ist die überarbeitete Jobbörse denn wirklich gut? Schauen wir mal...

So sieht sie aus:

jobboers.jpg

Aufgeräumt, übersichtlich - und sehr kontrastarm. In die Gestaltung wurde offenbar investiert, wenngleich die nach der Hälfte aufhörenden Ränder etwas irritieren. Man findet sie beim Hauptinhaltsbereich und rechts bei "Weiterführende Links".

Verwirrend: klickt man in der oberen, rechten Navigationsleiste (Startseite, Kontakt, Nutzungsbedingungen etc.) einen Menüpunkt an, öffnet sich fast immer eine neue Seite - in anderem Design, weil man dort auf einen anderen Bereich der Arbeitsagentur-Webseiten umgeleitet wird. Einzig bei "Inhalt" (und natürlich beim Klick auf die Startseite) bleibt man im Contentbereich der neuen Jobbörse. Was allerdings dieser "Inhalt"-Menüpunkt bedeuten soll?

inhalt.jpg
Offenbar stellt dies eine Art Schnellzugriff auf die Inhalte der Startseite dar. Eine Sitemap will "Inhalt" jedenfalls nicht sein, die findet sich - scheinbar - unter "Hilfe". Dummerweise öffnet sich diese Seite ebenfalls in einem eigenen Fenster, ist aber dem Layout der Startseite angepasst. Inkonsistent - zumal hier die Navigationspunkte der vorherigen Seite vollkommen verschwunden sind:

seitenübersicht.jpg
Zurück kommt man nicht über anklicken des Jobbörse-Logos oben links, das ist nämlich gar nicht verlinkt. Und das Logo der Bundesagentur für Arbeit sieht zwar beim darüberfahren mit der Maus verlinkt aus, ist es aber gleichfalls nicht. Eine Sitemap ist die Seite übrigens auch nicht, auch wenn dort "Seitenübersicht" steht und der Text dies andeutet. Es werden hier einfach alle Unterseiten erklärt - allerdings ohne einen direkten Link dorthin. Die Texte sind teilweise ellenlang. Allerdings gibt es auf der Startseite (und beim Anklicken der erweiterten Suche) neben den Suchfeldern auch noch mal kürzere Erklärungen dazu, was hier jetzt eingegeben werden kann. Das ist sinnvoll. Abgesehen davon kann man bei dem übersichtlichen Suchformular - auch bei der erweiterten Suche - kaum etwas falsch machen oder falsch verstehen. Die umfangreichen Texte der Hilfeseite wirken daher etwas bemüht. Benutzerfreundlichkeit bedeutet eben nicht, dem Nutzer alles zu erklären. Benutzerfreundlich ist ein Angebot, wenn es möglichst wenig Erklärungen bedarf - weil es einfach und verständlich ist.

Kommen wir jetzt aber einmal zur zentralen Funktion der Jobbörse: der Suche. Ich probiere es mit einer ganz einfachen Einstellung:

suche.jpg

Arbeit, Design, Stuttgart. Das sind die ersten fünf Ergebnisse:

suchergebnis.jpg

Programmierer, Fachverkäufer Herrenschuhe, PHP-Entwickler, Technischer Redakteur und Technischer Zeichner. Jeweils mit einer Übereinstimmung von fünf Balken (von fünf möglichen, das ist die "maximale Übereinstimmung).

Äh? Der "Programmierer Prozessleitsysteme" hat immerhin noch den Titel "Design Engineer", da kommt also wenigstens das Wort Design drin vor. Beim Schuhverkäufer kommt der Begriff im Text vor (die Schuhe sind in "Design und Leder" ganz toll, die man verkaufen soll). Beim "Technischen Redakteur" ist jedoch schon gar nichts mehr von Design zu lesen. Klar ist auch, dass die Suche nach "Design" nicht darauf abzielt, irgendwo im Text der Stellenausschreibung etwas von Design lesen zu können.

So kommt man also bei der Suche schon mal nicht vorwärts. Wie wäre es also mit der erweiterten Suche? Hier gibt es die Möglichkeit, einen Beruf auszuwählen. Man gelangt zu einer Stichwortsuche. Wieder versuche ich es mit Design. Das Ergebnis? 108 Berufe, bei denen irgendwo das Wort Design erscheint - vom Anwendungsprogrammierer über den Ausstattungs-Assistenten oder den Herrenfriseur bis zum Pädagogen oder Web-Designer (immerhin). Für eine Volltextsuche ist mein Begriff eben zu allgemein - oder die Suche zu ungenau.

Etwas weiter kommt man mit dem Begriff "Designer". Die Suche nach Branchen jedoch, die bei solchen Suchbegriffen helfen könnte, erscheint erst nach einem Klick auf "Weitere Suchkriterien" und auch dann erst ziemlich weit unten. Mir scheint die Hilfefunktion jetzt doch wieder ganz nützlich...

Als kleines Fazit dieses ersten Überblicks über die neue Jobbörse der Arbeitsagentur: "Endlich benutzerfreundlich" lässt mich fragen, wie die Seite vorher ausgesehen hat und zu bedienen war. Benutzerfreundlich hieße aber auch, sich wirklich mehr am Nutzer zu orientieren und nicht an starren Behördenstrukturen - ein wenig will einem die Suchfunktion nämlich so erscheinen. Insgesamt sicher keine schlechte, aber verbesserungsfähige Seite mit vor allem Potenzial in der Suche. Dies ist allerdings leider keine neue Erkenntnis - bei all zu vielen Seiten.
Immer, wenn man denkt, es könne ja nicht noch schlimmer kommen, kommt es eben doch schlimmer. Natürlich kann ich das onlineshoppen nicht lassen - oder zumindest das stöbern. Zum Kaufabschluß kommt es selten, und das liegt, wie man hier in der letzten Zeit lesen konnte, auch an schlechten Suchfunktionen in Onlineshops. Hier wieder ein besonders fieses Beispiel:

suchfunktion-sanetta.jpg
Gesucht wurde nach "Hose". Der rote Kreis soll verdeutlichen, dass die Suchfunktion tatsächlich benutzt wurde - sonst glaubt mir das Ergebnis vielleicht keiner:

suchfunktion-tel2.jpg

Sieht jemand eine Hose? Nein. Und auch kein Suchergebnis-Feedback, sprich kein "Sie suchten nach Hose, wir fanden xyz Artikel" oder ähnliches. Kein Wunder, wenn der Nutzer verwirrt ist: falsches Produkt gefunden und nicht mal ein Hinweis darauf, dass dies tatsächlich das Suchergebnis ist. Der Nutzer wird hier in der Regel zunächst annehmen, er habe einen Eingabefehler gemacht. Ganz schlecht!

Übrigens, im Shop sind durchaus Hosen vorhanden. Es ist also nicht so, dass es nichts zu finden gegeben hätte...
Hier mal wieder ein Beispiel dafür, dass eine Suchfunktion wirklich gute Technik im Hintergrund erfordert:

jeansbluse.jpg

Gesucht wurde nach "Jeansbluse". Man beachte den Herrn in der Strickjacke... Von den angegebenen 18 Suchergebnissen handelte es sich nur in sechs Fällen tatsächlich um eine Jeansbluse, und davon fehlte einer noch das Vorschaubild. Der Rest waren Strickjacken, Shirts und andere Kleidungsstücke, die nicht mal entfernt an eine Jeansbluse erinnerten. Ja, Datenbanken sind manchmal dumm. Aber die Kombination "Jeans" und "Bluse" in einem Wort sollte wirklich nicht zu Herrenstrickjacken führen.   

Wie gut ist die Suchfunktion?

In der folgende Aufstellung sind folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Wie viele Klicks benötigt man von der Startseite aus, um auf die Liste der Kinderärzte in Stuttgart zu gelangen?
  • Wie viele Eingaben sind dabei nötig? Das heißt, muss beispielsweise die Stadt manuell eingetragen werden oder müssen ähnliche Angaben gemacht werden, um ein Suchergebnis zu erhalten
  • Wie viele Elemente müssen ausgewählt werden, um ein Suchergebnis zu erhalten? Beispielsweise die Auswahl eines Bundeslandes.
  • Kann man auch einfach in die Suchfunktion direkt auf der Startseite "Kinderarzt Stuttgart" eingeben, um zu den Ergebnissen zu gelangen?
 Portal Klicks Eingaben Auszuw. Elemente Startseitensuche möglich?
 Imedo 2 2 0 Nein
 Ärzte bewerten 2 1 1 Ja (1)
 DocInsider 1 2 0 Ja (2)
 Mein guter Arzt 2 1 2 Ja (3)
 Jameda 1 1 2 Nein
 Medführer 3 1 0 Ja
 Helpster 3 1 2 Nein

 (1) Suche ist möglich mit Eingabe von "Stuttgart" und anschließender Auswahl der Fachrichtung.
 (2) Suchergebnis umfasst auch den Umkreis von Stuttgart.
 (3) Suchergebnis umfasst auch den Umkreis von Stuttgart.

Dass man nicht bei allen Portalen die Suchfunktion direkt von der Startseite aus für das gewünschte Suchergebnis nutzen kann, ist den Portalen nicht unbedingt anzukreiden. Zwar würde der Durchschnittsnutzer, der nach Arztbewertungen sucht, vermutlich gerne so vorgehen; allerdings sind einige Portale als Community mit weiteren Service-Leistungen ausgelegt und nicht als reine Arztbewertungsportale.Wenn man sich zur Arztbewertung aber erst durchklicken muss, ist es wichtig, die Klicks gering zu halten und eine gute Nutzerführung anzubieten. Das funktioniert bei allen Portalen recht gut. Allerdings ist die Präsentation der Suchergebnisse verbesserungswürdig. Teil 3 wird sich damit beschäftigen.

 

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